Ostallgäu: Radeln rund um Füssen

Vom Ostallgäuer Alpenvorland an die „Allgäuer Riviera“ am Hopfensee - (c) Armin Herb

So kann der Tag gerne beginnen: Beim Blick aus dem Hotelfenster zeigt sich ein Panorama, wie aus dem Werbeprospekt. Und, ja, das Bild ist echt: Im Vordergrund breiten sich lieblich geschwungene Wiesenhügel und der Hopfensee aus, dahinter gruppieren sich die Gipfel der Ammergauer und Allgäuer Alpen. Dazwischen ist sogar das Schloss Neuschwanstein zu erkennen. Da möchte man einfach raus in die Natur. Manche vergessen dabei sogar das Frühstück. Allerdings wohl kaum beim Eggensberger, denn dort ist das Bio-Angebot einfach zu üppig und verlockend.

Gut gestärkt geht es dann hinaus in die sanften Hügel des Ostallgäus – zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Kurze Tour zur Einstimmung gefragt? Am besten mal hinauf zur Burg Hopfen. Von der mittelalterlichen Festungsanlage stehen zwar nur noch ein paar wuchtige Mauerreste, aber die Aussicht ist dort oben noch faszinierender als unten vom Ort: einfach mal sitzen und in die Allgäuer Bergwelt schauen. Manche machen das stundenlang. Wer zu Fuß unterwegs bleiben möchte, kann dann von hier oben etwa zum Faulensee durch den Wald wandern. Dort lockt ein uriger, kleiner Biergarten am Ufer, Rainis Faulenseehütte. Oder man macht den Klassiker: die Panoramarunde auf dem Uferweg am Hopfensee, vorbei an Wäldchen und Wiesen und einem üppigen Schilfgürtel.

Aber wir steigen lieber aufs Rad: Auf zur Burgen- und Schlösserrunde!
Die erste Burg, hoch über Hopfen, haben wir ja bereits zu Fuß inspiziert. Übrigens die wohl älteste Ruine des Allgäus. Dort hinauf mit dem Rad bräuchte es allerings schon ein E-Mountainbike und eine solide Fahrtechnik. Also starten wir an der „Allgäuer Riviera“, am Ufer des Hopfensees. Wem ist nur diese Bezeichnung eingefallen? Die Promenade mit dem besonderen Ausblick sucht zwar wirklich ihresgleichen. Aber Palmen gibt’s dort höchstens in Miniaturausgabe im Blumentopf. So geht es von der vermeintlichen „Riviera“ Richtung Westen. Das nächste interessante Bauwerk an der Radroute ist das Schloss zu Hopferau, heute ein einladendes Hotel und Restaurant in historischem Ambiente. Mit Genussradeln durch die Ostallgäuer Hügel geht’s weiter Richtung Speiden. Ein recht gemütliches Dorf mit seiner sehenswerten Wallfahrtskirche Mariahilf und dem benachbarten Mariahilfer Sudhaus der alteingesessenen Kössel-Brauerei, wo es sich lecker „brotzeiten“ lässt. Aber Vorsicht bei den verlockenden Bierspezialitäten! Die Tour hat ja quasi erst angefangen.

Unser nächstes Ziel ist Eisenberg. Die mittelalterlichen Burgruinen Hohenfreyberg und Eisenberg sind dort einen kurzen Abstecher zu Fuß wert, genauso wie das kleine Burgenmuseum in der Dorfstraße. Mit konstantem Bilderbuch-Bergblick rollen wir Richtung Kreuzegg am Ortsrand der 13-Dörfer-Gemeinde Pfronten. Dort biegen wir ein auf den Radweg an der Vils, der uns über die unsichtbare Grenze nach Tirol hinüberbringt. Mit Ausblick auf Deutschlands höchstgelegene Burganlage, die mittelalterliche Burgruine Falkenstein auf 1277 Meter Höhe, windet sich unsere Radroute, meist in Flussnähe, durchs idyllische Vilstal. Übrigens wollte der Märchenkönig Ludwig II. am Falkenstein sein letztes Traumschloss bauen lassen – größer noch als Schloss Neuschwanstein. Zur Verwirklichung kam es bekanntlich nicht. Bei der Burgruine Vilsegg, die hoch über dem Tal wacht, biegen wir ab über den Fluss nach Vils – mit 1500 Einwohnern eine der kleinsten Städte Österreichs.

Hinter Vils kreuzen wir den Fernradweg der Via Claudia Augusta und überqueren den Lech nach Unterpinswang. Beim historischen Gutshof zum Schluxen, heute ein Ferien-Appartementhaus, biegen wir auf die ehemalige Fürstenstraße – von der Fahrbahn her eher ein Schottersträßchen – von Hohenschwangau nach Pinswang ein. Königin Marie kehrte im Gutshof schon mit ihren Söhnen König Ludwig II. von Bayern und König Otto I von Bayern regelmäßig ein. Die Königsfamilie hatte wohl ein gutes Verhältnis zu den Wirtsleuten und bewohnte sogar ein eigenes Zimmer im Gutshof. Während Ihrer Aufenthalte nutzte Königin Marie die Zeit für zahlreiche, durchaus anspruchsvolle Wanderungen auf die Berge der Umgebung, wie den Säuling und Thaneller.

Unsere Burgen- und Schlösser-Radroute windet sich nun durch Bergwald zu einem kleinen Pass, quasi eine alte Grenzstation zwischen Bayern und Tirol, und führt dann weiter zum grandios am Fuße des Säulings gelegenen Alpsee. Dort am Seeufer wird’s gleich deutlich rummeliger. Kein Wunder, wir sind nun in Fußreichweite von Schloss Neuschwanstein und Schloss Hohenschwangau, die auch kurz dahinter ins Blickfeld rücken. Der Alpsee gilt als einer der saubersten Seen in Deutschland und wird im Sommer als Badesee in einer eigens dazu geschaffenen Badeanstalt, dem Alpseebad am Südufer genutzt.

Wer sich für die Geschichte der Wittelsbacher interessiert, sollte am Seeufer einen Blick ins Museum der bayerischen Könige werfen. Das stattliche Gebäude wurde 1780 ursprünglich als Kurfürstliches Brauhaus errichtet und war später das Gasthaus Alpenrose. Zwischen Schloss Hohenschwangau und Schloss Neuschwanstein rollt man im Anschluss gemütlich auf dem Radweg durch den Wald und über den Lech hinunter nach Füssen. Ein Stopp in der verkehrsberuhigten Altstadt lohnt sich allemal, auch wenn dort bei sonnigem Wetter einiges los ist. Vor allem treffen sich hier gerne die Radelnden der sich kreuzenden Fernradwege Via Claudia Augusta, Romantische Straße, Schlossparkrunde Allgäu, Bodensee-Königssee-Radweg und Lech-Radweg. Aber in Füssens Altstadt sollte man nicht nur einen Plauder- und Cappuccino-Stopp einlegen, sondern auch mal in Ruhe durch die engen, historischen Gassen schlendern und hinaufsteigen zum Hohen Schloss, einer der am besten erhaltenen mittelalterlichen Burganlagen Bayerns, in der auch bedeutende Gemäldesammlungen zu sehen sind. Nicht zu vergessen das Museum der Stadt Füssen im Gebäude des ehemaligen Benediktinerklosters St. Mang.

Danach folgt das Finale unserer 42-Kilometer-Runde. Nach wenigen Minuten liegt das quirlige Zentrum Füssens hinter uns und wir machen noch einen Stopp am Ufer des Forggensees. Wer hätte es gedacht? Es ist der flächenmäßig größte Stausee Deutschlands. Zur Stromerzeugung wird hier seit 1952 der Fluss Lech aufgestaut. Zudem ist der Forggensee ein beliebter Freizeitspot für Segler, Surfer und Schwimmer. Im Hintergrund erhebt sich markant der Tegelberg, beliebt bei Wanderern und Gleitschirmfliegern. Auch das Schloss Neuschwanstein ist wieder gut zu erkennen.

Noch ein letzter Hügel im Ostallgäuer Alpenvorland und wir rollen wieder an die „Riviera“ am Hopfensee hinunter. 

Gut zu wissen
RAD-/E-BIKE-VERLEIH
SkiSport Luggi in Füssen, www.ski-sport-luggi.de
Bike Rental Füssen Bahnhof, www.bike-rental-fuessen.com 

RADFREUNDLICH UND GESUND ÜBERNACHTEN
Biohotel Eggensberger in Hopfen am See bei Füssen, www.eggensberger.de

BADESTOPP
Am Forggensee im Strandbad Füssen
Am Hopfensee im Seepark Hopfensee
Am Alpsee im Alpseebad in Hohenschwangau

LITERATUR & KARTEN
Kompass-Karte WK 4 „Füssen, Außerfern“ 1:50.000. 
Viele Tipps und Touren auf www.fuessen.de/rad.html 

TOURIST INFORMATION
Füssen Tourismus, www.fuessen.de
Allgäu Tourismus, www.allgaeu.de
Tourismusverband Ostallgäu, www.schlosspark.de

Über den Autor*Innen

Armin Herb

Armin Herb

Seit Kindheitstagen sitzt der studierte Geograf auf dem Fahrrad und erkundet die Landschaft in Nah und Fern. Allerdings ist er auch gerne zu Fuß unterwegs, insbesondere in den Alpen und im Schwarzwald. Er publizierte rund zwanzig Bücher zum Thema Radfahren und Mountainbiken und schreibt bis heute Beiträge über Reisen, Radfahren, Wandern und Wintersport für Tageszeitungen, Online-Portale und Fachmagazine.